Die Wahrheit über Krankheit und die Massenmedienlügen
Die Wahrheit über Krankheit und die Massenmedienlügen

Nikodemusevangelium (Heimlicher Jünger Jesus war Mitglied Sanhedrin)

Diese Schrift handelt im ersten Teil ausführlich vom Prozeß Jesu vor Pilatus und nur kurz von der Kreuzigung und dem Begräbnis durch Joseph, einen Ratsherrn aus der Stadt Arimathia. Diese Kapitel sind uns auch getrennt unter dem Titel > Pilatus-Akten< überliefert. Im zweiten Teil des Nikodemus-Evangeliums verhandelt der Hohe Rat (Synedrium) der Juden, ob Jesus tatsächlich auferstanden ist. Das Synedrium war die höchste jüdische Behörde in neutestamentlicher Zeit, die sowohl die profane als auch die religiöse Gerichtsbarkeit innehatte. Es bestand aus 71 Mitgliedern, die sich aus den Ältesten (Oberhäupter der vornehmen Familien), den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten von der Pharisäerpartei zusammensetzte. Der Abstieg zur Hölle Der dritte Teil trägt den Sondertitel > Abstieg Christi zur Hölle< (Descensus Christi ad inferos). Es handelt sich hier angeblich um die Niederschrift zweier Männer, die sich unter denen befanden, die Jesus Christus aus der Hölle in den Himmel geführt hatte. In den drei Tagen bis zur Auferstehung war Jesus nicht untätig im Grab gelegen. Es war ja nur der Körper tot, nicht aber seine Seele. Im Glaubensbekenntnis beten wir, daß Christus gestorben, begraben und abgestiegen ist in das Reich der Toten. Hinabgestiegen ist er in der Zwischenzeit und hat die Gerechten, angefangen von Adam bis hin zu Johannes dem Täufer, dem letzten der Propheten, aus der Gewalt der Hölle und Satans befreit. Zwei davon aber durften nicht gleich in das Paradies eingehen, sondern mußten der Welt die >geheimen Werke< Christi in der Unterwelt offenbaren. Wie wir wissen, wird der Mensch in das Reich der Toten verbannt, weil er in Adam durch die List des Teufels gesündigt und sie deswegen den Tod verdient hat. Auch die Gerechten verharrten in der Scheol, dem Aufenthaltsort der Toten, in einem Dämmerzustand und mußten warten, bis der Messias durch seinen Tod das Werk des Teufels besiegt und von den Folgen der Erbsünde befreit hatte. Dieser Bericht ist eine reine Vision, doch entspricht er der Lehre der Kirche. Die Höllenfahrt Christi entstand in griechischer Sprache. Später wurde eine lateinische Fassung erstellt, die sich wesentlich nur im Schluß unterscheidet. Es kommt beispielsweise noch einmal Pilatus mit einem Brief an seinen Kaiser zu Wort. Daß dieser Kaiser mit Claudius bezeichnet wird, beruht auf einer Verwechslung. Pilatus lebte zur Zeit des Kaisers Tiberius. Da aber dieser Brief angeblich bei der Auseinandersetzung zwischen Petrus und dem Magier Simon unter Claudius benutzt wurde, ist dessen Name fälschlich eingeflossen. In diesem Brief wird die Schuld am Tode Jesu ganz den Juden zugeschoben.

 

Textquelle: Nikodemus-Evangelium Pilatus-Akten

 

Die wunderbaren Zeichen beim Erscheinen Jesu vor Pilatus 1 Nachdem sie einen entsprechenden Beschluß gefaßt hatten, gingen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten, Hannas und Kaiaphas und Semes und Dathaes und Gamaliel, Judas, Levi und Naphthali, Alexander und Jairus, und die übrigen Juden zu Pilatus und erhoben Anklage gegen Jesus wegen vieler Punkte und sagten: >Von diesem wissen wir, daß er ein Sohn Josephs des Zimmermanns ist, von Maria geboren. Und er selber sagt, er sei Gottes Sohn und König! Unter anderem entweiht er den Sabbat, und unser väterliches Gesetz will er damit auflösen.< Da sagt Pilatus: >Was ist's denn, was er tut und womit er das Gesetz auflösen will?< Da sagen die Juden: > Wir haben ein Gesetz, am Sabbat niemanden zu heilen. Dieser aber hat Gelähmte und Verkrümmte und Verdorrte und Blinde und Lichtbrüchige und Dämonenbesessene am Sabbat geheilt mit üblen Praktiken.< Da sagt zu ihnen Pilatus: > Was für üble Praktiken?< Da sagen sie zu ihm: »Er ist ein Zauberer, und mit Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, treibt er die Dämonen aus, und deswegen sind sie ihm alle untertan. « Da sagt zu ihnen Pilatus: > Das heißt aber nicht, mit einem unreinen Geist die Dämonen austreiben, sondern mit dem Gott Asklepius. « 2 Da sagen die Juden zu Pilatus: » Wir stellen an deine Hoheit den Antrag, daß er vor deinem Tribunal erscheine und verhört werde. « Und Pilatus wandte sich an sie und sagt: > Sagt mir doch: wie kann ich, der ich nur Statthalter bin, einen König ausfragen?< Da sagen sie zu ihm: > Wir behaupten ja gar nicht, daß er ein König sei, sondern er selbst sagt das von sich. < Pilatus aber rief den Läufer heran und sagt zu ihm: > Auf ehrerbietige Weise soll Jesus vorgeführt werden!< Der Läufer aber ging hinaus, und als er ihn festgestellt hatte, erwies er ihm die Reverenz und nahm die Binde, die er an seiner Hand trug, und breitete sie auf die Erde und sagt zu ihm: >Herr, schreite hier darüber und tritt ein! Denn der Statthalter läßt dich bitten.< Als aber die Juden sahen, was der Läufer tat, wandten sie sich schreiend an Pilatus und sagten: > Warum hast du ihm nicht durch einen Herold den Befehl gegeben, hereinzukommen, sondern durch einen Läufer? Der Läufer hat ja, als er ihn zu Gesicht bekam, die Reverenz erwiesen und sein Tuch auf die Erde gebreitet und ihn wie einen König darüberschreiten lassen.< 3 Pilatus aber beschied den Läufer zu sich und sagt zu ihm: > Warum hast du das getan und hast dein Tuch auf die Erde gebreitet und Jesus darüberschreiten lassen?< Da sagt zu ihm der Läufer: > Herr Statthalter, als du mich seinerzeit nach Jerusalem zu Alexander gesandt hast, habe ich ihn, Jesus, auf einem Esel sitzen sehen, und die Kinder der Hebräer hielten Zweige in ihren Händen und riefen, andere aber breiteten ihre Kleider aus und sagten: Hilf doch, du in der Höhe! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!< 4 Da schreien die Juden und sagen zu dem Läufer: > Die Kinder der Hebräer haben auf hebräisch gerufen. Woher hast du den griechischen Wortlaut?< Dasagtzuihnen der Läufer: >Ich habe einen von den Juden gefragt und gesagt: >Was rufen sie da auf hebräisch?<, und der hat's mir übersetzt.< Da sagt Pilatus zu ihnen: »Wie haben sie denn auf hebräisch gerufen?< Da sagen zu ihm die Juden: »Hosanna membrone 149 baruchamma adonai.« Da sagt Pilatus zu ihnen: > Und was heißt Hosanna und das andere übersetzt? « Da sagen zu ihm die Juden: >Hilf doch, du in der Höhe! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! < Da sagt Pilatus zu ihnen: »Wenn ihr selbst die Aussagen, die von den Kindern gemacht worden sind, bestätigt, inwiefern hat dann der Läufer einen Fehler gemacht?« Sie aber schwiegen. Da sagt der Statthalter zum Läufer: »Geh hinaus und führe ihn herein, inwelcher Form du willst!« Der Läufer aber ging hinaus und verfuhr gleich wie das erste Mal und sagt zu Jesus: >Herr, tritt ein! Der Statthalter läßt dich bitten.< 5 Als aber Jesus eintrat - die Standartenträger hielten die Standarten -, da verneigten sich die Bilder an den Standarten und erwiesen Jesus die Reverenz. Als die Juden aber das Verhalten der Standarten sahen, wie sie sich verneigten und Jesus die Reverenz erwiesen, da wandten sie sich heftig schreiend gegen die Standartenträger. Pilatus aber sagt zu den Juden: > Seid ihr nicht verwundert, wie die Bilder sich verneigt und Jesus die Reverenz erwiesen haben?< Da sagen die Juden zu Pilatus: »Wir haben vielmehr gesehen, wie die Standartenträger sie geneigt und Jesus die Reverenz erwiesen haben! « Da rief der Statthalter die Standartenträger heran und sagt zu ihnen: »Warum habt ihr das so gemacht?« Da sagen sie zu Pilatus: »Wir sind Griechen und den Göttern ergeben. Wie kämen wir dazu, ihm die Reverenz zu erweisen? Vielmehr: während wir die Bilder hielten, haben sie sich selbst verneigt und ihm die Reverenz erwiesen.« 6 Da sagt Pilatus zu den Synagogenvorstehern und den Ältesten des Volkes: >Wählt ihr starke und kräftige Männer aus! Die sollen die Standarten halten, und wir wollen sehen, ob sie sich auch bei ihnen verneigen.< Es nahmen aber die Attesten der Juden zwölf kräftige und starke Männer. Je sechs ließen sie die Standarten halten; so mußten sie vor dem Tribunal des Statthalters Aufstellung nehmen. Und Pilatus sagt zu dem Läufer: »Führe ihn hinaus vor das Prätorium und bring ihn wieder herein, in welcher Form du willst! « Und Jesus ging hinaus vor das Prätorium,dazu der Läufer. Und Pilatus rief die, die zuerst die Bilder gehalten hatten, heran und sagt zu ihnen: > Ich schwöre hiermit beim Heil des Kaisers: wenn sich die Standarten nicht verneigen, wenn Jesus eintritt, lasse ich euch den Kopf abschlagen.< Und der Statthalter ließ Jesus zum zweiten Male eintreten. Und der Läufer verfuhr gleich wie beim ersten Mal und bat Jesus vielmals, er möge auf sein Tuch treten. Und er trat darauf und ging hinein. Als er aber eintrat, verneigten sich die Standarten wiederum und erwiesen Jesus die Reverenz. Die Anklage der Juden und ihre Widerlegung 1 Als aber Pilatus das sah, bekam er einen Schrecken und wollte am liebsten vom Tribunal aufstehen. Während er noch beim Überlegen war, ob er aufstehen solle, ließ seine Frau ihm sagen: >Habe du nichts zu schaffen mit diesem gerechten Menschen! Denn viel habe ich seinetwegen in der Nacht leiden müssen.< Pilatus aber rief alle Juden heran und sagt zu ihnen: > Ihr wißt, daß meine Frau gottesfürchtig ist und es in der Religion mehr mit euch Juden hält.< Da sagen sie zu ihm: »Jawohl, das wissen wir. « Da sagt Pilatus zu ihnen: > Siehe, meine Frau hat sagen lassen: >Habe du nichts zu schaffen mit diesem gerechten Menschen! Denn viel habe ich seinetwegen in der Nacht leiden müssen.<< Da geben die Juden zur Antwort und sagen zu Pilatus: > Haben wir dir nicht gesagt, daß er ein Zauberer ist? Er hat deiner Frau einen Traum geschickt. < 2 Pilatus aber rief Jesus heran und sagt zu ihm: > Was bringen diese da gegen dich vor? Hast du nichts zu sagen?< Jesus aber sprach: >Wenn sie nicht frei verfügen dürften, hätten sie nichts gesagt. Denn ein jeder verfügt frei über seinen Mund, Gutes zu reden und Böses. Da werden sie selbst zusehen müssen.< 3 Da gaben die Ältesten der Juden zur Antwort und sagen zu Jesus: »Was heißt: wir werden selbst zusehen müssen? Erstens bist du aus unzüchtigem Verkehr geboren worden. Zweitens hat deine Geburt in Bethlehem zu einem Kindermord geführt. Drittens sind dein Vater und deine Mutter Maria nach Ägypten geflohen, weil sie im Volk keinen guten Leumund besessen haben.« 4 Da sagen einige von den Anwesenden, fromme Leute aus dem Kreis der Juden: > Wir bestreiten, daß er aus unzüchtigem Verkehr stammt. Vielmehr wissen wir, daß Joseph mit Maria verheiratet war und daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr stammt.< Da sagt Pilatus zu den Juden, die behaupteten, er stamme aus unzüchtigem Verkehr: > Diese eure Aussage ist nicht wahr. Denn es hat eine Trauung stattgefunden, wie eure eigenen Volksgenossen erklären. < Da sagten Hannas und Kaiaphas zu Pilatus: »Wir als Gesamtheit versichern's laut und finden keinen Glauben damit, daß er aus unzüchtigem Verkehr geboren worden ist. Diese da sind Proselyten und Jünger von ihm! « Und Pilatus wandte sich an Hannas und Kaiaphas und sagt zu ihnen: >Was heißt das: Proselyten?< Da sagen sie zu ihm: > Als Kinder von Griechen sind sie geboren, und jetzt sind sie Juden geworden.< Da sagen die, die erklärt hatten, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei, Lazarus, Asterius, Antonius, Jakobus, Amas, Zeras, Samuel, Isaak, Phinees, Krispus, Agrippa und Judas: > Wir sind nicht als Proselyten geboren, sondern sind Kinder von Juden und reden die Wahrheit. Denn bei der Trauung von Joseph und Maria sind wir zugegen gewesen. < 5 Pilatus aber wandte sich an diese zwölf Männer, die erklärt hatten, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei, und sagt zu ihnen: > Ich lasse euch schwören beim Heil des Kaisers: ist das wahr, was ihr erklärt habt, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren ist?< Da sagen sie zu Pilatus: > Wir haben ein Gesetz, nicht zu schwören, weil das Sünde ist. So sollen sie denn, Hannas und Kaiaphas, beim Heil des Kaisers schwören, daß es nicht so ist, wie wir gesagt haben, und, wenn sie es tun, dann sind wir des Todes schuldig. < Da sagt Pilatus zu Hannas und Kaiaphas: > Habt ihr darauf nichts zu antworten?< Da sagen Hannas und Kaiaphas zu Pilatus: >Diese zwölf finden Glauben mit ihrer Aussage, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei. Wir als Gesamtheit versichern's laut, daß er aus Unzucht geboren und ein Zauberer ist und sich selbst als Sohn Gottes und König bezeichnet, und wir finden keinen Glauben.< 6 Und Pilatus befiehlt, daß alle miteinander hinausgehen sollten mit Ausnahme der zwölf Männer, die erklärt hatten, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei; auch Jesus ließ er abtreten. Und Pilatus sagt zu ihnen: >Aus welchen Gründen wollen sie ihn eigentlich zu Tode bringen?< Da sagen sie zu Pilatus: > Sie sind erbost, weil er am Sabbat heilt. < Da sagt Pilatus: > Wegen einer guten Tat also wollen sie ihn zu Tode bringen?< Da sagen sie zu ihm: > Jawohl!< Weitere Anklagen und Verhandlungen 1 Und zornerfüllt ging Pilatus hinaus vor das Prätorium und sagt zu ihnen: »Als Zeugen habe ich die Sonne, daß ich keinerlei Schuld an diesem Menschen finde.« Da gaben die Juden zur Antwort und sagten zum Statthalter: >Wenn dieser kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht übergeben.« Pilatus aber sagte: > So nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz!< Da sagten die Juden zu Pilatus: > Uns ist es nicht erlaubt, jemanden zu töten.< Da sagte Pilatus: > Euch hat Gott verboten, zu töten. Und mir etwa nicht?< 2 Und Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein und rief Jesus beiseite und sagte zu ihm: > Bist du der König der Juden?< Jesus gab Pilatus zur Antwort: > Sagst du das von dir aus oder haben andere es dir von mir gesagt?< Pilatus gab Jesus zur Antwort: > Bin ich etwa ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir übergeben. Was hast du getan?< Da antwortete Jesus: > Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Denn wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so würden meine Diener kämpfen, daß ich nicht den Juden ausgeliefert würde. Jetzt aber ist mein Reich nicht von hier.< Da sprach Pilatus zu ihm: > Mithin bist du ein König?< Jesus gab ihm zur Antwort: > Du sagst es: ich bin ein König. Denn dazu bin ich geboren und gekommen, daß jeder, der aus der Wahrheit ist, meine Stimme höre.< Da sagt Pilatus zu ihm: > Was ist Wahrheit?< Da sagt Jesus zu ihm: >Wahrheit kommt vom Himmel.< Da sagt Pilatus: > Auf Erden ist keine Wahrheit?< Da sagt Jesus zu Pilatus: >Du siehst ja, wie die, welche die Wahrheit sagen, von denen gerichtet werden, die auf Erden die Macht haben.< 4,1 Und Pilatus verließ Jesus und ging hinaus vor das Prätorium zu den Juden und sagt zu ihren: »Ich finde keinerlei Schuld an ihm.« Da sagen die Juden zu ihm: >Dieser hat erklärt: >Ich kann diesen Tempel niederreißen und in drei Tagen ihn aufbauen.<< Da sagt Pilatus: »Welchen Tempel?« Da sagen die Juden: »Den, den Salomo in 46 Jahren erbaut hat. Dieser aber erklärt, ihn in drei Tagen abzubrechen und aufzubauen. « Da sagt Pilatus zu ihnen: > Ich bin unschuldig am Blute dieses gerechten Menschen. Da müßt ihr zusehen!< Da sagen die Juden: >Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!< 150 2 Pilatus aber wandte sich an die Ältesten und Priester und Leviten und sagte heimlich zu ihnen: > Macht es nicht so! Denn nichts von dem, wessen ihr ihn anklagt, verdient den Tod. Denn eure Anklage bezieht sich lediglich auf Heilen und Entweihen des Sabbats.< Da sagen die Ältesten und die Priester und die Leviten: »Wenn einer gegen den Kaiser lästert, verdient er dann den Tod oder nicht?< Da sagt Pilatus: »Er verdient den Tod. « Da sagen die Juden zu Pilatus: > Wenn einer gegen den Kaiser lästert, verdient er, wie du selbst sagst, den Tod. Dieser aber hat gegen Gott gelästert!< 3 Der Statthalter befahl aber, die Juden sollten hinausgehen vor das Prätorium, und wandte sich an Jesus und sagt zu ihm: »Was soll ich mit dir machen?« Da sagt Jesus zu Pilatus: » Wie es dir gegeben ist. « Da sagt Pilatus: »Wie ist es mir denn gegeben?« Da sagt Jesus: > Mose und die Propheten haben meinen Tod und meine Auferstehung im voraus verkündigt.< Die Juden aber hatten etwas zu vernehmen versucht, und als sie das hörten, sagen sie zu Pilatus: >Was willst du dir noch weiter diese Lästerung anhören?< Da sagt Pilatus zu den Juden: > Wenn diese Aussage nach euren Begriffen lästerlich ist, dann nehmt ihr ihn wegen der Lästerung und führt ihn ab in eure Synagoge und richtet ihn nach eurem Gesetz!< Da sagen die Juden zu Pilatus: >Unser Gesetz bestimmt, wenn jemand gegen einen Menschen lästert, der verdient, daß er 40 Hiebe weniger einen empfängt; wer aber gegen Gott lästert, der verdient, daß er gesteinigt wird.< 4 Da sagt Pilatus zu ihnen: > Nehmt ihr ihn und vergeltet ihm, auf welche Weise ihr wollt!< Da sagen die Juden zu Pilatus: »Wir wollen, daß er gekreuzigt wird!« Da sagt Pilatus: > Er verdient nicht, gekreuzigt zu werden.<« 5 Der Statthalter aber sah sich bei den ringsum stehenden Volksmassen der Juden um und sieht viele von den Juden weinen und sagt: »Nicht alle wollen, daß er sterbe.« Da sagen die Ältesten der Juden: >Gerade deswegen sind wir als Gesamtheit hierher gekommen, daß er sterbe.< Da sagt Pilatus zu den Juden: >Warum soll er sterben?< Da sagen die Juden: »Weil er sich als Sohn Gottes und König bezeichnet hat.

 

« Das Zeugnis des Nikodemus 1 Nikodemus aber, ein Jude, trat vor den Statthalter und sagt: »Ich bitte, Frommer, laß mich einige wenige Worte sagen!« Da sagt Pilatus: »Sprich!« Da sagt Nikodemus: »Ich habe zu den Ältesten und den Priestern und Leviten und zur Gesamtheit der Juden in der Synagoge gesagt: >Was sucht ihr an diesem Menschen? Dieser Mensch tut viele wunderbare Zeichen, die keiner sonst getan hat noch tun wird. Laßt ihn in Ruhe und plant nichts Böses gegen ihn! Wenn die Zeichen, die er tut, von Gott sind, werden sie Bestand haben; wenn sie aber von Menschen sind, werden sie sich von selbst auflösen. Denn auch Mose hat, als er von Gott nach Ägypten gesandt war, viele Zeichen getan, von denen Gott ihm gesagt hatte, er solle sie vor Pharao, dem König von Ägypten, tun. Und es waren dort Männer im Dienst Pharaos, Jannes und Jambres; auch sie taten nicht weniger Zeichen, als Mose tat, und es hielten die Ägypter sie für Götter, den Jannes und den Jambres. Und da die Zeichen, die sie taten, nicht von Gott waren, kamen sie selber um wie auch die, die ihnen geglaubt hatten. Und jetzt laßt diesen Menschen in Ruhe! Denn er verdient den Tod nicht.< 2 Da sagen die Juden zu Nikodemus: > Du bist ein Jünger von ihm geworden und trittst für ihn ein!< Da sagt Nikodemus zu ihnen: »Ist etwa auch der Statthalter sein Jünger geworden und tritt für ihn ein? Hat der Kaiser ihn nicht für diesen Streitfall eingesetzt?« Die Juden aber waren ergrimmt und knirschten mit den Zähnen gegen Nikodemus. Da sagt Pilatus zu ihnen: »Warum knirscht ihr mit den Zähnen gegen ihn, wo ihr doch nur die Wahrheit zu hören bekommen habt?« Da sagen die Juden zu Nikodemus: > So übernimm du Wahrheit und Anteil an ihm!« Da sagt Nikodemus: > Wahrlich, wahrlich: ich will sie übernehmen, wie ihr gesagt habt.< Die Zeugnisse von Geheilten 1 Einer aber von den Juden trat vor und bat den Statthalter, ein Wort sagen zu dürfen. Der Statthalter erklärt: >Wenn du etwas sagen willst, so sprich!< Der Jude aber sagte: > Ich bin 38 Jahre bettlägerig gewesen unter peinvollen Schmerzen. Und als Jesus kam, wurden viele, die von Dämonen besessen waren und mit mancherlei Krankheiten daniederlagen, von ihm geheilt. Und einige junge Leute erbarmten sich meiner und trugen mich samt dem Bett und brachten mich hin zu ihm. Und siehe, Jesus hatte Mitleid mit mir und sprach zu mir das Wort: >Nimm dein Bett und wandle!< Und ich nahm mein Bett und wandelte.< Da sagen die Juden zu Pilatus: >Frag ihn, was für ein Tag das war, an dem er geheilt wurde!< Da sagt der Geheilte: »An einem Sabbat. « Da sagen die Juden: »Haben wir's nicht etwa so gelehrt, daß er am Sabbat heilt und Dämonen austreibt?« 2 Und ein anderer Jude trat vor und sagt: »Ich war blind geboren, hörte eine Stimme und sah doch das Angesicht des Redenden nicht. Und als Jesus vorüberging, rief ich mit lauter Stimme: >Erbarme dich meiner, Sohn Davids!< Und er hat sich meiner erbarmt und mir seine Hände auf die Augen gelegt, und ich konnte alsbald wieder sehen.< Und ein anderer Jude trat vor und sagte: »Ich bin verkrümmt gewesen, und er hat mit einem Wort mich gerade gemacht.« Und ein anderer sagte: > Ich bin aussätzig gewesen, und er hat mich mit einem Wort geheilt.< 7 Und eine Frau mit Namen Bernike rief aus großer Entfernung und sagte: »Ich bin blutflüssig gewesen und habe die Quaste seines Gewandes angefaßt, und mein Blutfluß, der zwölf Jahre angehalten hatte, kam zum Stillstand.« Da sagen die Juden: > Wir haben ein Gesetz, eine Frau nicht zum Zeugnis zuzulassen.< 8 Und wieder andere, eine Menge von Männern und Frauen, riefen und sagten: > Dieser Mensch ist ein Prophet, und die Dämonen sind ihm untertan.< Da sagt Pilatus zu denen, die zu ihm gesagt hatten, daß die Dämonen ihm untertan seien: > Warum haben sich nicht auch eure Lehrer ihm unterstellt?< Da sagen sie zu Pilatus: >Wir wissen es nicht.< Andere aber sagten: > Den Lazarus, der gestorben war, hat er aus dem Grabe erweckt, in dem er schon den vierten Tag lag.< Der Statthalter aber bekam einen Schrecken und sagt zu den Juden in ihrer Gesamtheit: »Warum wollt ihr unschuldig Blut vergießen?«

 

Die Verurteilung Jesu 1 Und er wandte sich an Nikodemus und die zwölf Männer, die ausgesagt hatten, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei, und sagt zu ihnen: > Was soll ich tun? Es gibt ja einen Aufruhr unter dem Volk!< Da sagen sie zu ihm: > Wir wissen es nicht. Da sollen sie selbst zusehen! < Wiederum wandte sich Pilatus an die Juden in ihrer Gesamtheit und sagt: > Ihr wißt, daß es bei euch Sitte ist, am Fest der ungesäuerten Brote euch einen Gefangenen freizulassen. Ich habe einen abgeurteilten Gefangenen im Gefängnis, einen Mörder mit Namen Barabbas, und diesen Jesus, der vor euch steht, an dem ich keinerlei Schuld finde. Welchen wollt ihr, daß ich euch freilasse?< Sie aber schreien: > Barabbas!< Da sagt Pilatus: > Was nun soll ich mit Jesus machen, der der Christus heißt?< Da sagen die Juden: > Er soll gekreuzigt werden!< Einige von den Juden aber erwiderten: >Du bist des Kaisers Freund nicht, wenn du diesen freilassen solltest. Denn er hat sich als Sohn Gottes und König bezeichnet; du willst anscheinend diesen zum König und nicht den Kaiser.< 2 Zornig aber sagt Pilatus zu den Juden: > Immer ist euer Volk aufsässig, und euren Wohltätern begegnet ihr mit Widerspruch! < Da sagen die Juden: » Welchen Wohltätern?« Pilatus sagt: > Wie ich höre, hat euer Gott euch aus harter Knechtschaft aus Ägyptenland herausgeführt und euch durch das Meer wie durchs Trockene gerettet und hat in der Wüste euch mit Manna ernährt und Wachteln zu essen gegeben und aus dem Felsen euch Wasser zu trinken gegeben und hat euch ein Gesetz verliehen. Und bei alledem habt ihr euren Gott erzürnt und habt euch ein gegossenes Kalb gewünscht. Erbittert habt ihr euren Gott, und er hat euch töten wollen, und Mose hat für euch gefleht, und ihr seid nicht getötet worden. Und jetzt bringt ihr gegen mich vor, daß ich den König hasse.< 3 Er stand aber auf vom Tribunal und wollte hinausgehen. Und die Juden rufen und sagen: > Wir kennen als König allein den Kaiser und nicht diesen Jesus. Auch die Weisen haben ihm vom Morgenland her Geschenke dargebracht wie einem König! Und als Herodes von den Weisen hörte, daß ein König geboren sei, suchte er ihn zu töten. Als aber sein Vater Joseph es erfuhr, nahm er ihn und seine Mutter, und sie flohen nach Ägypten. Und als Herodes es hörte, ließ er die Kinder der Hebräer, die in Bethlehem geboren waren, umbringen. « 4 Als aber Pilatus diese Worte hörte, erschrak er. Und Pilatus hieß die Volksmassen schweigen - sie schrien nämlich - und sagt zu ihnen: > Also das ist der, nach dem Herodes damals gesucht hat?< Da sagen die Juden: >Jawohl! Das ist er. < Und Pilatus nahm Wasser und wusch 151 seine Hände angesichts der Sonne und sprach: >Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten. Da seht ihr zu!< Wiederum schreien die Juden: > Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!< 5 Darauf befahl Pilatus, daß der Vorhang des Tribunals, wo er saß, vorgezogen wurde, und sagt zu Jesus: >Dein Volk hat dich als König überführt. Deswegen habe ich das Urteil zu verkünden, daß du zuerst nach der Satzung der frommen Kaiser gegeißelt und dann aufgehängt wirst am Kreuz in dem Garten, wo du gegriffen worden bist. Und Dysmas und Gestas, die beiden Verbrecher, sollen mit dir zusammen gekreuzigt werden.< Die Kreuzigung Jesu und die Grablegung 1 Und Jesus ging zum Prätorium hinaus und die beiden Verbrecher mit ihm. Und als sie an den Ort der Kreuzigung hinkamen, zogen sie ihm die Kleider aus und gürteten ihn mit einem Leinentuch und legten ihm einen Kranz aus Dornen um das Haupt. In gleicher Weise hängten sie auch die beiden Verbrecher auf. Jesus aber sprach: > Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.< Und die Soldaten teilten sich seine Kleider. Und das Volk stand dabei und besah ihn. Und es verhöhnten ihn die Hohenpriester und die führenden Männer mit ihnen und sagten: > Andere hat er gerettet. Soll er jetzt sich selber retten! Wenn dieser Gottes Sohn ist, so soll er vom Kreuz herabsteigen!< Es verspotteten ihn aber die Soldaten, indem sie herzutraten und ihm Essig mit Galle hinreichten und sagten: > Du bist der König der Juden. So rette dich selbst!< 2 Pilatus aber hatte befohlen, daß nach der Urteilsverkündigung als Aufschrift am Kreuz seine Schuld mit griechischen, römischen (lateinischen) und hebräischen Buchstaben angeschrieben würde gemäß der Aussage der Juden, er sei der König der Juden. 3 Einer aber von den Verbrechern, die aufgehängt waren, sprach zu ihm und sagte: >Wenn du der Christus bist, so rette dich und uns!< Dysmas aber gab ihm scheltend zur Antwort und sagte: »Hast du nicht die geringste Furcht vor Gott, wo du doch in derselben Strafe wie er dich befindest? Wir allerdings werden mit Recht bestraft; denn wir empfangen die Strafe, die unsere Taten wert sind. Dieser aber hat nichts Schlechtes getan. « Und er sagte zu Jesus: > Denk an mich, Herr, in deinem Reich!< Da sprach Jesus zu ihm: »Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: heute bist du mit mir zusammen im Paradies! < 11,1 Es war aber etwa die sechste Stunde, und Finsternis erging über die Erde bis zur neunten Stunde, wobei die Sonne sieh verfinsterte, und es riß der Vorhang des Tempels mitten entzwei. Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: >Vater, baddach ephkid ruel<, was übersetzt heißt: »in deine Hände befehle ich meinen Geist.« Und als er das gesagt hatte, gab er seinen Geist auf. Als der Hauptmann sah, was alles geschah, pries er Gott und sagte: >Dieser Mensch war ein Gerechter!< Und alle Volksmassen, die zu diesem Schauspiel sich eingefunden hatten, als sie sahen, was geschah, schlugen sie sich an die Brust und eilten heim. 2 Der Hauptmann aber brachte dem Statthalter Meldung von dem Geschehenen. Als aber der Statthalter es hörte und seine Frau, wurden sie sehr betrübt, und sie aßen und tranken nicht an jenem Tage. Pilatus aber beschied die Juden zu sich und sagte zu ihnen: »Habt ihr gesehen, was alles geschehen ist?« Sie aber sagen: > Das Nachlassen der Sonne trat wie gewöhnlich ein. « 3 Es standen aber seine Bekannten von ferne sowie die Frauen, die mit ihm zusammen von Galiläa hergekommen waren und dies alles mit ansahen. Ein Mann aber mit Namen Joseph, ein Ratsherr aus der Stadt Arimathia, der selbst auch auf das Reich Gottes wartete, der wandte sich an Pilatus und erbat sich den Leichnam Jesu. Und er nahm ihn vom Kreuz ab und wickelte ihn in reine Leinwand und setzte ihn in einem aus dem Felsen gehauenen Grab bei, wo bisher noch niemand lag.

 

Gefangensetzung und geheimnisvolles Verschwinden Josephs von Arimathia 1 Als aber die Juden hörten, daß Joseph sich den Leichnam Jesu ausgebeten habe, suchten sie ihn in ihre Hand zu bekommen sowie die zwölf, die gesagt hatten, Jesus sei nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren, und auch den Nikodemus und sonst noch viele andere, die vor Pilatus vorgetreten waren und seine guten Werke bekundet hatten. Während aber alle anderen sich versteckt hielten, kam allein Nikodemus ihnen zu Gesicht; denn er war ein führender Mann unter den Juden. Und Nikodemus sagt zu ihnen: > Wie seid ihr in die Synagoge hineingekommen?< Da sagen die Juden zu ihm: > Wie bist du in die Synagoge hineingekommen? Du bist ein Mitwisser von ihm, und sein Anteil wird sein mit dir zusammen du wirst das gleiche Los haben wie er im kommenden Äon.< Nikodemus sagt: > Amen! Amen!< Ebenso fand sich aber auch Joseph ein und sagte zu ihnen: > Warum habt ihr voller Kummer gegen mich euch gewandt, weil ich den Leichnam Jesu mir ausgebeten habe? Sieh, in mein eigenes neues Grab habe ich ihn gelegt, nachdem ich ihn in reine Leinwand gewickelt hatte, und habe einen Stein an die Türe der Grabhöhle gewälzt. Ihr habt nicht gut getan gegen den Gerechten, daß ihr keinerlei Reue bekommen habt, als ihr ihn gekreuzigt hattet, sondern ihn auch noch mit einer Lanze durchbohrt habt!< Die Juden aber nahmen Joseph fest und gaben Befehl, daß er bis zum ersten Tag der Woche in Gewahrsam gehalten werde, und sagen zu ihm: >Merke dir, daß die Stunde es nicht erheischt, etwas gegen dich zu unternehmen! Denn der Sabbat dämmert herauf. Merke dir aber: du wirst später nach deinem Tod nicht eines Begräbnisses gewürdigt werden, sondern wir werden dein Fleisch den Vögeln des Himmels zu fressen geben.< Da sagt Joseph zu ihnen: >Das hat genau so der übermütige Goliath gesagt, der den lebendigen Gott und den heiligen David geschmäht hat! Denn Gott hat durch den Propheten gesprochen: >Mir gehört die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.< Und jetzt hat der, der unbeschnitten war am Fleisch und beschnitten am Herzen, Wasser genommen und seine Hände angesichts der Sonne gewaschen und gesagt: >Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten. Da seht ihr zu!< Und ihr habt Pilatus zur Antwort gegeben und gesagt: >Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!< Und jetzt befürchte ich, daß der Zorn des Herrn euch ereilt und eure Kinder, wie ihr selbst gesagt habt.< Als aber die Juden diese Worte hörten, da wurden sie erbittert in ihrer Seele, und sie ergriffen Joseph und nahmen ihn fest und schlossen ihn in ein Haus ein, an dem es kein Fenster hatte, und Wächter verblieben an der Türe, und sie versiegelten die Türe, wo Joseph eingeschlossen war. 2 Am Sabbat aber legten die Hohenpriester und die Priester und die Leviten den Beschluß fest, sich alle am ersten Tag der Woche in der Synagoge einzufinden. Und als sie an diesem Tage dann in ihrer Gesamtheit früh in der Synagoge waren, beratschlagten sie, durch welche Todesart sie ihn töten könnten. Als aber der Hohe Rat seine Sitzung hielt, befahlen sie, daß er, Joseph, mit Schimpf und Schande vorgeführt werden solle. Und als sie die Türe öffneten, fanden sie ihn nicht vor. Und das ganze Volk war außer sich, und sie waren erschrocken; denn sie fanden die Siegel ordnungsmäßig versiegelt, und den Schlüssel hatte Kaiaphas in Verwahrung. Und sie wagten nicht mehr Hand anzulegen an die, die vor Pilatus für Jesus eingetreten waren.

 

Die Kunde von Jesu Auferstehung 1 Während sie noch in der Synagoge saßen und Josephs wegen verwundert waren, kommen einige von der Wache, die sich die Juden von Pilatus ausgebeten hatten, um das Grab Jesu zu bewachen, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen würden. Und sie meldeten und sagten den Hohenpriestern und den Priestern und den Leviten, was geschehen war: wie ein großes Erdbeben eingetreten war, »und wir sahen einen Engel aus dem Himmel herabsteigen, und der wälzte den Stein von der Öffnung der Grab-Höhle und setzte sich oben auf ihn; und er leuchtete wie Schnee und wie ein Blitz. Und wir erschraken gewaltig und lagen wie tot. Und wir hörten die Stimme des Engels, wie er den Frauen, die am Grabe verweilten, sagte: >Ihr braucht euch nicht zu fürchten! Denn ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Kommt her, seht den Platz, wo der Herr gelegen hat! Und schnell geht hin und saget seinen Jüngern: Er ist auferweckt worden von den Toten und befindet sich in Galiläa.<< 2 Da sagen die Juden: > Mit was für Frauen hat er geredet?< Da sagen die von der Wache: >Wir wissen nicht, was für welche es waren. < Da sagen die Juden: > Um welche Stunde war es?< Da sagen die von der Wache: »Um Mitternacht. « Da sagen die Juden: »Und warum habt ihr die Frauen nicht festgenommen?« Da sagen die von der Wache: > Wir waren wie tot vor Schrecken und hatten keine Hoffnung, das Licht des Tages noch einmal zu sehen. Wie hätten wir sie da festnehmen sollen?< Da sagen die Juden: > So wahr der Herr lebt, wir glauben euch nicht. < Da sagen die von der Wache zu den Juden: > So viele Zeichen habt ihr an jenem Menschen gesehen und seid nicht zum Glauben 152 gekommen. Wie solltet ihr da uns glauben? Ganz mit Recht habt ihr ja geschworen: >So wahr der Herr lebt.< Er, der Herr Jesus, lebt nämlich!< Weiter sagen die von der Wache: >Wir haben gehört, daß ihr den, der sich den Leichnam Jesu ausgebeten hatte, eingeschlossen habt und habt die Türe versiegelt, und als ihr sie geöffnet habt, habt ihr ihn nicht vorgefunden. Beschafft ihr also erst Joseph, und wir wollen dann Jesus beschaffen.« Da sagen die Juden: > Joseph ist weggegangen in seine Stadt, nach Arimathia.< Da sagen die von der Wache zu den Juden: > Und Jesus ist auferstanden, wie wir von dem Engel gehört haben, und befindet sich in Galiläa.< 3 Als aber die Juden diese Worte hörten, erschraken sie gewaltig und sagten: >Daß das nur ja nicht ruchbar wird und alle sich Jesus zuneigen! < Und die Juden berieten sich und warfen eine beträchtliche Summe Geldes aus und gaben sie den Soldaten und sagten: »Sagt ihr: >Während wir schliefen, sind seine Jünger bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen.< Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, dann werden wir ihm zureden und dafür bemüht sein, daß ihr euch keine Sorge, daß er euch etwa bestrafen könnte, zu machen braucht.« Die aber nahmen das Geld und taten, wie sie gelehrt worden waren.

 

Die Kunde von Jesu Himmelfahrt 1 Phinees aber, ein Priester, und Adas, ein Lehrer, und Haggai, ein Levit, kamen von Galiläa herab nach Jerusalem und erzählten den Hohenpriestern und den Priestern und den Leviten: »Wir haben Jesus sitzen sehen auf dem Berg, der Mamilch heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: >Zieht hin in alle Welt und predigt aller Kreatur! Wer daraufhin zum Glauben kommt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber ungläubig bleibt, wird verurteilt werden. Diese Zeichen aber werden denen, die zum Glauben kommen, nachfolgen: in meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, werden mit neuen Zungen reden, werden Schlangen ohne Gefahr aufheben, und wenn sie etwas Todbringendes trinken, wird es ihnen nicht schaden; den Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden.< Während Jesus noch zu seinen Jüngern sprach, sahen wir, daß er in den Himmel emporgehoben wurde. « 2 Da sagen die Ältesten und die Priester und die Leviten: > Gebt dem Gott Israels die Ehre und bekennt ihm, ob ihr das tatsächlich gehört und gesehen habt, was ihr da erzählt habt!< Da sagen die, dies erzählt hatten: »So wahr der Gott unser Väter Abraham, Isaak und Jakob lebt: das haben wir gehört und haben gesehen, daß er in den Himmel emporgehoben wurde. « Da sagen die Ältesten und die Priester und die Leviten zu ihnen: »Seid ihr deswegen gekommen, um uns diese Botschaft zu bringen, oder seid ihr gekommen, um Gott ein Gelübde darzubringen?« Die aber sagen: >Um Gott ein Gelübde darzubringen.< Da sagen die Ältesten und die Hohenpriester und die Leviten zu ihnen: > Wenn ihr gekommen seid, um Gott ein Gelübde darzubringen, was soll dann dies alberne Zeug, das ihr vor dem ganzen Volk ausgeschwatzt habt?< Da sagt Phinees, der Priester, und Adas, der Lehrer, und Haggai, der Levit, zu den Hohenpriestern und Priestern und Leviten: > Wenn die Dinge, die wir geredet und gesehen haben, Sünde sind, siehe, wir sind vor euch wir sind in eurer Hand. Verfahrt mit uns, wie es in euren Augen gut erscheint!< Und sie gaben ihnen zu essen und zu trinken und schickten sie aus der Stadt fort, nachdem sie ihnen Geld und drei Männer als Geleit mitgegeben hatten, und sie ließen sie wieder nach Galiläa gehen, und sie zogen dahin in Frieden. 3 Als aber jene Männer nach Galiläa gezogen waren, traten die Hohenpriester und die Synagogenvorsteher und die Ältesten in der Synagoge zur Beratung zusammen, nachdem sie das Tor verschlossen hatten, und sie stimmten ein großes Klagegeschrei an und sagten: > Warum ist dieses Zeichen in Israel geschehen?< Hannas aber und Kaiaphas sagten: > Warum regt ihr euch auf? Warum jammert ihr? Oder wißt ihr nicht, daß seine Jünger den Grabeswächtern viel Geld gegeben und sie gelehrt haben, zu sagen: >Ein Engel ist herabgestiegen und hat den Stein von der Türe des Grabes abgewälzt?< Die Priester aber und die Ältesten sagten: > Mag sein, daß seine Jünger den Leichnam gestohlen haben! Aber wie ist die Seele in seinen Leichnam wieder hineingekommen, daß er sich jetzt in Galiläa aufhält?< Die aber vermochten darauf keine Antwort zu geben und sagten gerade nur: > Unbeschnittenen dürft ihr nicht glauben.<

 

Die Auffindung Josephs und seine Einholung nach Jerusalem 1 Es erhob sich aber Nikodemus und trat vor den Hohen Rat und sagte: » Was ihr sagt, stimmt. Ihr, Volk Gottes, wißt von den Männern, die von Galiläa herabgekommen waren, ganz gut, daß sie gottesfürchtig sind und wohlhabende Männer, die die Habsucht hassen, Männer des Friedens, die keinen Streit suchen. Sie haben unter Eid erzählt: >Wir haben Jesus auf dem Berge Mamilch mit seinen Jüngern gesehen, und er hat sie alles gelehrt<, was ihr von ihnen gehört habt, >und wir haben gesehen, daß er in den Himmel emporgehoben worden ist. Und keiner hat sie gefragt, auf welche Art er emporgehoben wurde. Wie uns das Buch der heiligen Schriften gelehrt hat, ist auch Elisa in den Himmel emporgehoben worden. Und Elisa rief damals mit lauter Stimme, und Elisa warf seinen Mantel über Elisa, und Elisa warf seinen Mantel auf den Jordan und ging trockenen Fußes hinüber und kam nach Jericho. Und es begegneten ihm die Jünger der Propheten und sagten: >Elisa, wo ist dein Herr Elisa?< Und er sprach: >Er ist emporgehoben worden in den Himmel.< Und sie sagten zu Elisa: >Vielleicht hat ihn nur der Geist entführt und auf einen der Berge verschlagen? Aber wir wollen unsere Knechte mit uns nehmen und ihn suchen. < Und sie redeten Elisa zu, und er ging daraufhin mit ihnen. Und sie suchten ihn drei Tage und fanden ihn nicht und erkannten daran, daß er tatsächlich in den Himmel emporgehoben worden war. Und jetzt hört auf mich! Wir wollen im ganzen Gebiet von Israel umhersenden und sehen, ob der Christus nicht vielleicht vom Geist emporgehoben und auf einen der Berge verschlagen worden ist. « Und allen gefiel dieses Wort. Und sie schickten im ganzen Gebiet von Israel umher, und die Sendboten suchten Jesus und fanden ihn nicht. Sie fanden aber Joseph in Arimathia, und keiner wagte es, sich seiner zu bemächtigen. 2 Und sie meldeten den Ältesten und den Priestern und den Leviten: »Wir sind im ganzen Gebiet von Israel umhergezogen und haben Jesus nicht gefunden. Aber Joseph haben wir in Arimathia gefunden!« Als sie aber diese Nachricht über Joseph hörten, freuten sie sich und gaben dem Gott Israels die Ehre. Und es berieten die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten, auf welche Weise sie mit Joseph in Verbindung kommen könnten, und nahmen dann ein Blatt Papier und schrieben Joseph folgendes: »Friede sei mit dir! Wir wissen, daß wir gegen Gott und gegen dich gesündigt haben, und wir haben zum Gott Israels gebetet, er möge dich geneigt machen, zu deinen Vätern und zu deinen Kindern zu kommen; denn wir sind alle betrübt. Als wir nämlich die Türe öffneten, haben wir dich nicht vorgefunden. Und wir wissen, daß wir einen bösen Anschlag auf dich geplant hatten, aber der Herr hat sich deiner angenommen, und der Herr selbst hat unseren Anschlag gegen dich, teurer Vater Joseph, zum Scheitern gebracht. « 3 Und sie wählten aus ganz Israel sieben Männer aus, die dem Joseph wohlgesinnt waren und die auch Joseph selbst gut kannte, und es sagen zu ihnen die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten: »Seht zu! Wenn er unseren Brief empfangen hat und ihn liest, dann wißt ihr, daß er mit euch zu uns gehen wird; wenn er ihn aber nicht liest, dann wißt ihr, daß er erbost über uns ist, und in diesem Fall verabschiedet euch von ihm im Frieden und kehrt zu uns zurück! « Und die Männer kamen zu Joseph und bezeugten ihm ihre Ehrerbietung und sprachen zu ihm: >Friede sei mit dir!< Und er sagte: > Friede sei mit euch und mit dem ganzen Volke Israel!< Sie aber übergaben ihm die Briefrolle. Und Joseph nahm sie in Empfang und las sie und rollte den Brief wieder zu und pries Gott und sprach: > Gepriesen sei Gott der Herr, der Israel erlöst hat, daß es nicht unschuldig Blut vergießen sollte, und gepriesen sei der Herr, der seinen Engel geschickt hat und hat mich geborgen unter seine Fittiche!< Und er setzte ihnen einen Tisch vor, und sie aßen und tranken und blieben dort zum Schlafen. 4 Und in der Frühe machten sie sich auf und beteten. Und Joseph sattelte seinen Esel und zog mit den Männern dahin, und sie kamen in die heilige Stadt Jerusalem. Und das ganze Volk lief Joseph entgegen, und sie riefen: »Friede sei deinem Einzug!« Und er sprach zum ganzen Volk: > Friede sei mit euch!<, und es küßte ihn das ganze Volk. Und sie beteten, das Volk zusammen mit Joseph, und waren außer sich vor Freude darüber, daß sie ihn wieder sehen durften. Und es nahm ihn Nikodemus in sein Haus und veranstaltete ein großes Gastmahl und lud Hannas und Kaiaphas und die Ältesten und die Priester und die Leviten in sein Haus ein. Und in freudiger Stimmung aßen und tranken sie mit Joseph zusammen, und nachdem sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie ein jeder in sein Haus; Joseph aber blieb im Hause des Nikodemus.

 

Josephs Bericht vor dem Hohen Rat: die Bestätigung der Auferstehung Jesu 153 5 Am andern Tag aber, der ein Rüsttag war, machten sich in der Frühe auf die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten zum Hause des Nikodemus. Nikodemus ging ihnen entgegen und sagte: >Friede sei mit euch! < Und sie sagten: »Friede sei mit dir und mit Joseph und mit deinem ganzen Hause und mit dem ganzen Hause Josephs!« Und er führte sie hinein in sein Haus. Und es nahm der ganze Hohe Rat Platz, und Joseph saß zwischen Hannas und Kaiaphas, und keiner wagte zu ihm ein Wort zu reden. Und Joseph sprach: »Warum habt ihr mich vorgeladen?« Und sie nickten Nikodemus zu, er möge zu Joseph sprechen. Nikodemus aber tat seinen Mund auf und sprach zu Joseph: > Vater, du weißt, daß die verehrten Lehrer und die Priester und die Leviten von dir ein Wort zu vernehmen wünschen.< Und Joseph sagte: >So fragt!< Und Hannas und Kaiaphas nahmen das Gesetz und ließen Joseph schwören und sagten: >Gibt dem Gott Israels die Ehre und bekenne ihn! Denn Achas hat, als ihm vom Propheten Josua ein Schwur abgenommen worden war, den Schwur nicht verletzt, sondern hat ihm alles mitgeteilt und ihm gar nichts verborgen. Auch du also verbirg vor uns nicht das geringste!< Und Joseph sprach: »Ich will vor euch rein gar nichts verbergen. « Und sie sagten zu ihm: »Wir sind sehr betrübt gewesen, daß du den Leichnam Jesu dir ausgebeten hast und hast ihn in reine Leinwand gewickelt und hast ihn in ein Grab gelegt. Und deswegen haben wir dich in Gewahrsam gesetzt in einem Haus, in dem kein Fenster war, und haben Schlösser und Siegel an die Türe gelegt, und Wächter haben Wache gehalten, wo du eingeschlossen warst. Und als wir am ersten Tag der Woche öffneten, fanden wir dich nicht vor und waren sehr betrübt, und Entsetzen fiel auf das ganze Volk des Herrn bis gestern. Und nun berichte uns, was dir widerfahren ist!« 6 Und Joseph sprach: »Am Rüsttag um die zehnte Stunde habt ihr mich eingeschlossen, und es änderte sich bei mir nichts den ganzen Sabbat hindurch. Und um Mitternacht, als ich stand und betete, da wurde das Haus, wo ihr mich eingeschlossen hattet, an den vier Ecken hochgezogen, und ich sah's wie einen Lichtblitz in meinen Augen. Und ich bekam Furcht und fiel zu Boden. Und es ergreift mich jemand bei der Hand und schafft mich fort von der Stelle, wo ich niedergefallen war, und ein Wassergeriesel ergoß sich von meinem Kopf bis zu meinen Füßen, und Salbenduft drang mir in die Nase. Und als er mein Gesicht abgetrocknet hatte, küßte er mich und sprach zu mir: >Fürchte dich nicht, Joseph! Tu deine Augen auf und sieh, wer mit dir redet !< Und ich blickte auf und sah Jesus. Und ich bekam vor Angst das Zittern und glaubte, es sei ein Gespenst, und sagte die Gebote auf. Und er sagte sie mit mir auf. Wie ihr ja gut wißt, ergreift ein Gespenst, wenn es einem begegnet und die Gebote aufsagen hört, die Flucht. Als ich daher sah, daß er sie mit mir aufsagte, sprach ich zu ihm: >Rabbi Elia !< Und er sprach zu mir: >Ich bin nicht Elia.< Und ich sagte zu ihm: >Wer bist du denn, Herr?< Und er sprach zu mir: >Ich bin Jesus, dessen Leichnam du dir von Pilatus ausgebeten hast und hast mich in reine Leinwand gewickelt und ein Schweißtuch auf mein Gesicht gelegt und hast mich in deiner neuen Grabhöhle beigesetzt und hast einen großen Stein an die Tür der Höhle gewälzt. < Und ich sagte zu dem, der mit mir redete: >Zeige mir den Platz, wo ich dich hingelegt habe!< Und er brachte mich hin und zeigte mir den Platz, wo ich ihn hingelegt hatte, und das Leintuch lag dort und das Schweißtuch für das Gesicht. Und ich erkannte daran, daß es Jesus war. Und er ergriff mich bei der Hand und versetzte mich bei verschlossenen Türen mitten in mein Haus und trug mich hin auf mein Bett und sprach zu mir: >Friede sei mit dir!< Und er küßte mich und sprach zu mir: >Vor 40 Tagen geh nicht aus deinem Hause! Denn siehe, ich ziehe zu meinen Brüdern nach Galiläa.< 16,1 Und als die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten diese Worte von Joseph hörten, wurden sie wie tot und fielen zu Boden, und sie fasteten bis zur neunten Stunde. Und Nikodemus nebst Joseph ermahnte Hannas und Kaiaphas, die Priester und Leviten mit den Worten: »Erhebt euch und stellt euch auf eure Füße und verköstigt euch mit Brot und stärkt eure Seelen! Denn morgen ist der Sabbat des Herrn. < Und sie erhoben sich und beteten zu Gott und aßen und tranken und zogen jedermann in sein Haus. Der Bericht Levis über das Zeugnis Symeons 2 Am Sabbat aber nahmen unsere Lehrer und die Priester und die Leviten Platz und berieten untereinander und sagten: »Was hat uns für ein Zorngericht ereilt! Wir kennen ja seinen Vater und seine Mutter. « Da sagte Levi, der Lehrer: »Von seinen Eltern weiß ich, daß sie Gott fürchten und die Gelübde nicht versäumen und die Zehnten dreimal im Jahr entrichten. Und als Jesus geboren war, brachten ihn seine Eltern an diesen Platz und brachten Gott Opfer und Brandopfer dar. Und als ihn der große Lehrer Symeon in seine Arme nahm, sprach er: >Nun lässest du deinen Knecht, Herr, nach deinem Wort in Frieden heimziehen. Denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du vor dem Angesicht aller Völker bereitet hast, ein Licht zur Offenbarung den Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.< Und Symeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: >Ich bringe dir Kunde über dies Kind. < Und Maria sprach: >Gute Kunde, mein Herr!< Und Symeon sprach zu ihr: >Gute! Siehe, dieser ist bestimmt zum Fallen und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, das Widerspruch finden wird - und dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele gehen -, denn es sollen aus vielen Herzen die Gedanken enthüllt werden.«< 3 Da sagen sie zu Levi, dem Lehrer: >Woher weißt du das denn?< Da sagt Levi zu ihnen: > Wißt ihr nicht, daß ich bei Symeon das Gesetz gelernt habe?< Da sagte zu ihm der Hohe Rat: »Wir möchten gern deinen Vater sehen. « Und er ließ seinen Vater holen. Und als sie ihn fragten, sagte er zu ihnen: »Warum habt ihr meinem Sohn nicht geglaubt? Der verehrungswürdige und gerechte Symeon selbst hat ihn das Gesetz gelehrt.« Da sagt der Hohe Rat: >Rabbi Levi, ist das Wort wahr, das du gesagt hast?< Und er sagte: > Es ist wahr!< Und es sprachen die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten zueinander: »Auf, so wollen wir nach Galiläa schicken zu den drei Männern, die gekommen waren und erzählt hatten, wie er, Jesus, seine Jünger gelehrt habe und in den Himmel emporgehoben worden sei, und sie sollen uns sagen, wie sie ihn sahen. « Und dieser Vorschlag sagte allen zu. Und sie schickten die drei Männer, die schon einmal mit ihnen nach Galiläa fortgezogen waren, und sagten zu ihnen: »Saget Rabbi Adas und Rabbi Phinees und Rabbi Haggai: >Friede sei mit euch und allen, die bei euch sind! Weil es eine heftige Auseinandersetzung im Hohen Rat gegeben hat, haben wir zu euch gesandt, um euch an diesen heiligen Ort Jerusalem zu bitten.<« Verhandlungen im Hohen Rat: allgemeine Anerkennung von Jesu Auferstehung und Himmelfahrt 4 Und die Männer zogen nach Galiläa und fanden sie, wie sie dasaßen und über das Gesetz nachsannen. Und sie grüßten sie mit dem Friedensgruß, und es sagten die Männer in Galiläa zu denen, die zu ihnen hingezogen waren: »Friede über das ganze Israel!« Und sie sagten: »Friede sei mit euch!« Die aber sagten wiederum zu ihnen: >Warum seid ihr gekommen?< Und es sagten die Abgesandten: »Der Hohe Rat lädt euch ein in die heilige Stadt Jerusalem. « Als aber die Männer hörten, daß sie vom Hohen Rat gewünscht wurden, wandten sie sich im Gebet an Gott. Und sie legten sich mit den Männern, die sie hatten holen sollen, zu Tisch und aßen und tranken und erhoben sich und zogen im Frieden hin nach Jerusalem. 5 Und am folgenden Tage trat der Hohe Rat in der Synagoge zur Sitzung zusammen, und sie fragten sie und sagten: »Habt ihr tatsächlich Jesus auf dem Berge Mamilch sitzen sehen, wie er seine Jünger gelehrt hat, und habt ihr tatsächlich gesehen, daß er in den Himmel emporgehoben wurde?« Und es gaben ihnen die Männer zur Antwort und sagten: > Wie wir gesehen haben, daß er emporgehoben wurde, genau so haben wir's auch gesagt.< 6 Da sagt Hannas: > Trennt sie voneinander! Wir wollen sehen, ob ihre Aussage übereinstimmt.< Und sie rufen zuerst Adas und sagen zu ihm: » Wie hast du gesehen, daß Jesus emporgehoben wurde?« Da sagt Adas: >Während er noch dasaß auf dem Berge Mamilch und seine Jünger lehrte, sahen wir eine Wolke ihn und seine Jünger überschatten, und es führte ihn die Wolke empor in den Himmel, und seine Jünger lagen mit dem Angesicht auf dem Boden.< Und sie rufen Phinees, den Priester, und fragten ihn und sagten: »Wie hast du gesehen, daß Jesus emporgehoben wurde?« Und er sagte genau so. Sie fragten aber weiter Haggai, und er sagte genau so. Und es sprach der Hohe Rat: >Das Gesetz Moses enthält die Bestimmung: >Auf dem Mund von zwei oder drei Zeugen soll jede Sache stehen.<< Da sagt Buthem, der Lehrer: >Es steht im Gesetz geschrieben: >Und es wandelte Henoch mit Gott, und auf einmal war er nicht mehr da, weil Gott ihn zu sich in den Himmel genommen hatte.<< Der Lehrer Jairus sagte: »Wir haben auch vom Tod des heiligen Mose gehört und haben ihn nicht gesehen. Es steht ja im Gesetz des Herrn geschrieben: >Und Mose starb nach dem Munde des Herrn, und es kannte niemand sein Grab bis auf diesen Tag.<« Und Rabbi Levi sagte: »Was hat Rabbi Symeon gesagt, als er Jesus sah: >Siehe, dieser ist bestimmt zum Fallen und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, das Widerspruch finden wird Es steht im Gesetz 154 geschrieben: >Siehe, ich sende meinen Engel vor deinem Angesicht her, der wird dir vorangehen, um dich zu behüten auf jedem guten Wege, weil mein Name auf dem Wege genannt ist.<< 7 Darauf sprachen Hannas und Kaiaphas : > Mit Recht habt ihr gesagt, was im Gesetz des Mose geschrieben steht, daß niemand den Tod Henochs gesehen und niemand den Tod Moses erzählt hat. Jesus aber hat sich vor Pilatus verantworten müssen, und wir haben gesehen, daß er Streiche empfangen hat und in sein Gesicht gespien bekam. Die Soldaten haben ihm einen Kranz aus Dornen umgelegt, und er ist gegeißelt worden und hat den Urteilsspruch von Pilatus empfangen. Er ist auf dem Schädelplatz gekreuzigt worden und zwei Räuber mit ihm. Essig mit Galle haben sie ihm zu trinken gegeben, und der Soldat Longinus hat mit einer Lanze seine Seite durchbohrt. Seinen Leichnam hat sich unser verehrter Vater Joseph ausgebeten, und wie er sagt, ist er auferstanden, wie denn auch die drei Männer sagen: >Wir haben gesehen, wie er in den Himmel emporgehoben wurde.< Rabbi Levi hat gesagt und bezeugt, was von Rabbi Symeon gesagt worden ist, daß er nämlich gesagt hat: >Siehe, dieser ist bestimmt zum Fallen und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, das Widerspruch finden wird.<< Und es sprachen alle Lehrer zum ganzen Volk des Herrn: > Wenn das vom Herrn geschehen ist und wunderbar ist in unseren Augen, so sollt ihr, Haus Jakobs, erkennen, daß geschrieben steht: >Verflucht ist jeder, der am Holze hängt. < Und eine andere Schriftstelle lehrt: >Götter, die den Himmel und die Erde nicht gemacht haben, werden umkommen.<< Und es sagten die Priester und die Leviten zueinander: >Wenn sein Andenken bis zu Som, der Jobel heißt, bestehen bleibt, so erkennt, daß er die Herrschaft besitzt bis in Ewigkeit und sich ein neues Volk erweckt!< Da trugen die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten dem ganzen Israel auf und sagten: > Verflucht der Mann, der künftig noch das Gebilde aus Menschenhand anbetet, und verflucht der Mann, der Geschöpfe statt des Schöpfers anbetet!< Und alles Volk sprach: >Amen! Amen!< 8 Und es brachte das ganze Volk dem Herrn einen Lobgesang dar und sprach: > Gepriesen sei der Herr, der dem Volk Israel Ruhe gegeben hat entsprechend allem, was er geredet hat! Nicht ein einziges Wort ist hinfällig geworden von allen seinen guten Worten, die er zu Mose, seinem Knecht, geredet hat. Der Herr, unser Gott, sei mit uns, wie er mit unseren Vätern war! Er lasse uns nicht umkommen! Nicht lasse er uns umkommen, um vielmehr unser Herz zu sich zu neigen, daß wir wandeln in allen seinen Wegen, seine Gebote halten und seine Rechte, die er unseren Vätern aufgetragen hat! Und der Herr wird König sein über die ganze Erde an jenem Tage, und es wird ein Herr sein und sein Name einer. Der Herr ist unser König, er wird uns retten. Niemand ist dir gleich, Herr! Groß bist du, Herr, und groß ist dein Name durch deine Macht. Heile uns, Herr, und wir werden heil sein; rette uns, Herr, und wir werden gerettet sein. Denn dein Teil und Erbe sind wir, und es wird der Herr sein Volk nicht lassen um seines großen Namens willen; denn begonnen hat der Herr, uns zu seinem Volk zu machen.< Und als sie den Lobgesang dargebracht hatten, gingen sie alle heim, jedermann in sein Haus, und priesen Gott. Denn seine Herrlichkeit ist in die Ionen der Äonen. Amen!

 

Christi Abstieg in die Unterwelt Aufforderung der Söhne Symeons zu einem Bericht über ihre Auferweckung 1 Da sagt Joseph: > Was wundert ihr euch eigentlich, daß Jesus auferweckt worden ist? Nicht das ist wunderbar, sondern wunderbar ist vielmehr das, daß er nicht allein auferweckt worden ist, sondern daß er auch viele andere Tote auferweckt hat, die sich in Jerusalem vielen gegenüber gezeigt haben. Und wenn ihr die anderen nicht kennt, dann doch den Symeon, der Jesus als Kind in die Arme genommen hat. Und seine beiden Söhne, die er, Jesus, hat auferstehen lassen, die kennt ihr doch. Denn wir haben sie erst vor kurzem begraben. Jetzt aber kann man sehen, daß ihre Gräber offen und leer sind, sie selbst aber leben und halten sich in Arimathia auf.< Da schickten sie Männer aus, und die fanden ihre Grabstätten offen und leer. Da sagt Joseph: >So wollen wir nach Arimathia gehen und sie aufsuchen!< 2 Darauf machten sich auf die Hohenpriester Hannas und Kaiaphas sowie Joseph und Nikodemus und Gamaliel und andere mit ihnen und gingen hin nach Arimathia und fanden die vor, von denen Joseph gesprochen hatte. Sie hielten ein Gebet und begrüßten einander. Danach kamen sie mit ihnen nach Jerusalem, und sie brachten sie in die Synagoge, und sie sicherten die Türen und legten in die Mitte das Alte Testament der Juden, und es sprachen zu ihnen die Hohenpriester: > Schwört bitte auf den Gott Israels und Adonai, und daraufhin sollt ihr uns die Wahrheit sagen, wie ihr auferstanden seid und wer euch von den Toten hat auferstehen lassen!< 3 Als die Männer, die auferstanden waren, das hörten, machten sie auf ihre Gesichter das Zeichen des Kreuzes, und sagten zu den Hohenpriestern: > Gebt uns Papier und Tinte und Feder!< Man brachte ihnen dies, und sie setzten sich hin und schrieben folgendermaßen: Die Predigt Johannes des Täufers an die Toten 1 Herr Jesus Christus, du, die Auferstehung und das Leben der Welt, gib uns Gnade, daß wir deine Auferstehung erzählen können und deine wunderbaren Taten, die du im Hades getan hast! Wir also waren im Hades zusammen mit allen denen, die von Urzeiten her entschlafen sind. In der Stunde aber der Mitternacht strahlte es in jener Finsternis auf wie Sonnenlicht und leuchtete, und wir wurden allesamt beschienen und sahen einer den anderen. Und sogleich tat sich unser Vater Abraham mit den Patriarchen und den Propheten zusammen, und miteinander von Freude erfüllt sagten sie einer zum andern: > Das ist das Licht vom verheißenen großen Leuchten!< Der Prophet Jesaja, der dort anwesend war, sagte: > Das ist das Licht vom Vater und vom Sohn und vom heiligen Geist! Über das habe ich, als ich noch lebte, prophezeit und gesagt: >Land Sebulon und Land Naphthali, das Volk, das in Finsternis sitzt, siehe, ein großes Licht erstrahlt ihm.<< 2 Danach kam ein anderer in die Mitte, ein Asket aus der Wüste, und es sagten zu ihm die Patriarchen: >Wer bist du?< Er aber sprach: > Ich bin Johannes, das Ende der Propheten, der ich den Weg des Sohnes Gottes gerade gemacht und dem Volk Buße zur Vergebung der Sünden verkündigt habe. Und der Sohn Gottes ist zu mir gekommen, und als ich ihn von weitem sah, sprach ich zum Volk: >Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!< Und mit meiner Hand habe ich ihn im Jordanfluß getauft und habe auch den heiligen Geist wie eine Taube auf ihn kommen sehen und habe auch die Stimme Gottvaters gehört, der da sprach: >Dieser ist mein geliebter Sohn, den ich auserkoren habe.< Und deswegen hat er mich auch zu euch gesandt, damit ich euch verkündige, daß der eingeborene Sohn Gottes hierher kommt, auf daß jeder, der an ihn glaubt, gerettet wird, wer aber nicht an ihn glaubt, verurteilt werden wird. Deswegen sage ich euch allen: jetzt ist für euch der Augenblick, Buße zu tun dafür, daß ihr in der oberen nichtigen Welt die Götzen angebetet habt, und für das, was ihr gesündigt habt. Zu einem anderen Zeitpunkt aber wird das nicht mehr möglich sein.<

 

Das Zeugnis Seths über die Verheißung an Adam Als Johannes nun die im Hades also lehrte, da sagt Adam, der Erstgeschaffene und Ahnherr, als er's hörte, zu seinem Sohne Seth: > Mein Sohn, sag bitte den Vorvätern des Menschengeschlechts und den Propheten, wohin ich dich gesandt habe, als ich mich seinerzeit hinlegte, um zu sterben!< Seth aber sagte: > Propheten und Patriarchen, hört! Als mein Vater Adam, der Erstgeschaffene, sich einst zum Sterben hinlegte, sandte er mich, um ein Bittgebet an Gott zu richten ganz nah am Tor des Paradieses, daß er mich durch einen Engel an den Baum der Barmherzigkeit geleiten lasse und ich dort Öl aufnehmen und meinen Vater damit salben möge und er von seiner Schwachheit wieder aufstehe. Und nach dem Gebet kam ein Engel des Herrn und sagt zu mir: >Was wünschst du, Seth? Wünschst du Öl, das die Schwachen aufstehen läßt, oder wenigstens den Baum, der solches Öl ausfließen läßt, um der Schwachheit deines Vaters willen? Das ist jetzt noch nicht anzutreffen. Geh drum hin und sag deinem Vater: wenn von Erschaffung der Welt an 5500 Jahre vollendet sind, dann kommt der eingeborene Sohn Gottes, Mensch geworden, auf die Erde herab. Der wird ihn mit diesem Öl salben, und er wird auferstehen, und mit Wasser und heiligem Geist wird er ihn und die aus ihm, seine Nachkommen, waschen, und dann wird er von aller Krankheit geheilt sein. Jetzt aber ist das nicht möglich.<< Als die Patriarchen und die Propheten das hörten, da freuten sie sich gar sehr.

 

Auseinandersetzung zwischen Satan und Hades 155 1 Während sie alle aber von solcher Freude bewegt waren, kam der Satan, der Erbe der Finsternis, und sagt zum Hades: >Du Allesfresser und Unersättlicher, höre meine Worte! Einer aus dem Geschlecht der Juden, Jesus geheißen, nennt sich selbst Gottes Sohn, ist aber nur ein Mensch: den haben dank unserer Mitwirkung die Juden gekreuzigt. Und jetzt, wo er gestorben ist, halte dich bereit, daß wir ihn hier in Verwahrung nehmen! Denn ich weiß, daß er nur ein Mensch ist, und habe ihn ja auch sagen hören: >Tiefbetrübt ist meine Seele bis zum Tode.< Er hat mir viel Böses zugefügt in der oberen Welt, als er mit den Sterblichen zusammen wandelte. Denn wo er meine Knechte antraf, da hat er sie verfolgt, und wie viele Menschen ich verkrüppelt, blind, lahm, aussätzig und dergleichen mehr gemacht habe, er hat sie durch das Wort allein gesund gemacht, und viele hatte ich hergerichtet fürs Begrabenwerden, und die hat er durch das Wort allein wieder lebendig gemacht.< 2 Da sagt der Hades: > Und so stark ist dieser, daß er durch das Wort allein dergleichen tut? Und du kannst, wenn das von ihm gilt, ihm Widerstand leisten? Mir scheint, wenn das von ihm gilt, dann wird niemand ihm Widerstand leisten können. Wenn du aber sagst, du habest gehört, daß er sich vor dem Tode gefürchtet habe, so hat er das sicher nur gesagt, um dich zu narren, und im Scherz, in der Absicht, dich um so leichter mit starker Hand zu packen. Wehe, wehe dir in alle Ewigkeit! < Da sagt der Satan: > Du allesfressender und unersättlicher Hades! Hast du solche Angst bekommen, als du von unserem gemeinsamen Feind gehört hast? Ich habe keine Angst vor ihm gehabt, sondern habe die Juden dahin gebracht, und sie haben ihn gekreuzigt und haben ihm sogar Essig mit Galle zu trinken gegeben. Mach dich also bereit, ihn, wenn er kommt, kräftig festzuhalten!< 3 Da antwortete der Hades: »Erbe der Finsternis, Sohn des Verderbens, Teufel! Du hast mir da gesagt, daß er viele, die du fürs Begrabenwerden hergerichtet hattest, durch das Wort allein lebendig gemacht hat. Wenn er aber andere vom Begrabenwerden befreit hat, wie und mit welcher Kraft sollte er da von uns festgehalten werden? Vor kurzem hatte ich einen Toten mit Namen Lazarus verschlungen, und bald danach hat einer von den Lebenden durch das Wort allein ihn gewaltsam aus meinem Inneren heraufgezogen. Ich glaube, daß das der gewesen ist, von dem du sprichst. Wenn wir den hier aufnehmen, so fürchte ich, daß wir auch wegen der übrigen in Gefahr geraten. Denn sieh, bei allen, die ich von Urzeiten her verschlungen habe, beobachte ich, daß sie auf einmal unruhig sind, und ich habe Schmerzen in meinem Bauch. Mir scheint, der Lazarus, der mir da seinerzeit entrissen worden ist, ist kein gutes Vorzeichen! Denn nicht wie ein Toter, sondern wie ein Adler ist er mir davongegangen. So rasch hat die Erde ihn herausgeschleudert. Deswegen beschwöre ich dich bei deinem und meinem Wohlergehen, bring ihn den, von dem du sprichst, nicht hierher! Denn ich glaube, daß er hier nur deswegen erscheint, um alle Toten auferstehen zu lassen. Das sage ich dir - bei der Finsternis, die uns eigen ist!-, wenn du ihn hierher bringst, wird mir kein einziger von den Toten übrigbleiben! «

 

Christi Einzug in das Totenreich 1 Während der Satan und der Hades so zueinander redeten, erging eine gewaltige Stimme wie Donner, die sprach: > Hebt hoch eure Tore, ihr Herrscher, und erhebt euch, ewige Tore! Es wird einziehen der König der Herrlichkeit.< Als der Hades das hörte, sagt er zum Satan: > Geh nach draußen, wenn du kannst, und leiste ihm Widerstand!< So ging der Satan denn nach draußen. Darauf sagt der Hades zu seinen Dämonen: > Sichert gut und stark die ehernen Tore und die eisernen Riegel, und haltet meine Sperren und gebt, in Kolonnen aufgestellt, auf alles acht! Denn wenn er erst hereinkommt, dann -wehe ! -wird er sich unserer bemächtigen. 2 Als die Vorväter das hörten, begannen sie ihn zu schmähen und sagten: »Du Allesfresser und Unersättlicher! Mach auf, daß der König der Herrlichkeit einziehe! « David, der Prophet, sagt: > Weißt du nicht, du Verblendeter, daß ich, als ich noch in der Welt lebte, diese Stimme >Hebt hoch eure Tore, ihr Herrscher< prophezeit habe?< Jesaja sprach: > Ich habe dies vorausgesehen und, vom heiligen Geist geleitet, geschrieben: >Es werden auferstehen die Toten und erweckt werden die in den Gräbern, und es werden sich freuen die auf Erden< und >Wo ist, Tod, dein Stachel? Wo ist Hades, dein Sieg?<< 3 Da erging wieder die Stimme, die sprach: >Hebt hoch eure Tore! < Als der Hades zum zweitenmal die Stimme hörte, gab er zur Antwort, als ob er's scheinbar nicht wußte, und sagt: > Wer ist dieser König der Herrlichkeit?< Da sagen die Engel des Gebieters: »Der Herr voller Kraft und Macht, der Herr, mächtig im Streit! « Und alsbald zugleich mit diesem Wort wurden die ehernen Tore zerbrochen und die eisernen Ringe zerschmettert, und die Toten allesamt, die gefesselt waren, wurden ihre Fesseln los und wir mit ihnen. Und es zog der König der Herrlichkeit ein, dem Aussehen nach wie ein Mensch, und alle Finsternis des Hades erstrahlte im Licht.

 

Die Besiegung des Hades und des Satan 1 Sogleich rief der Hades: > Wir sind besiegt. Weh uns! Doch wer bist du, der du solche Vollmacht und Kraft hast? Und welcher Art bist du, der du ohne Sünde hierher gekommen bist, der du klein scheinst und Großes vermagst, der du niedrig bist und hoch, der du Knecht bist und Gebieter, Soldat und König, der du über die Toten und die Lebendigen die Macht ausübst? Ans Kreuz bist du angenagelt und ins Grab bist du gelegt worden, und jetzt bist du frei geworden und hast alle unsere Macht zerstört. Bist du der Jesus, von dem uns Satan, der Obersatrap, gesprochen hat, weil du im Begriff bist, durch Kreuz und Tod hindurch die ganze Welt zum Erbe zu nehmen?< 2 Darauf faßte der König der Herrlichkeit den Satan, den Obersatrapen, beim Schopfe und übergab ihn den Engeln und sprach: > Bindet ihn mit eisernen Ketten an den Händen und den Füßen und am Hals und an seinem Mund! < Danach übergab er ihn dem Hades und sagte: > Nimm ihn und behalt ihn sicher in Verwahrung bis zu meiner zweiten Parusie!< Und der Hades übernahm den Satan und sagte zu ihm: > Beelzebul, Erbe des Feuers und der Pein, Feind der Heiligen! Warum ausgerechnet mußtest du es so einrichten, daß der König der Herrlichkeit gekreuzigt wurde, so daß er nun hierher gekommen ist und uns unserer Macht entkleidet hat? Wende dich um und sieh: kein einziger Toter ist in mir übrig geblieben, sondern alles, was du durch das Holz der Erkenntnis gewonnen hattest, das hast du alles durch das Holz des Kreuzes verloren, und deine ganze Freude hat sich in Trauer gewandelt. Den König der Herrlichkeit hast du töten wollen und hast dich selbst getötet. Denn nachdem ich dich übernommen habe, um dich sicher in Verwahrung zu behalten, da wirst du aus eigener Erfahrung lernen, was alles ich an Bösem gegen dich unternehmen werde. Du Oberteufel, Oberhaupt des Todes, Wurzel der Sünde, Ende alles Bösen! Was hast du an Jesus Schlechtes gefunden, daß du seinen Untergang betrieben hast? Wie hast du es wagen können, soviel Unrecht zu tun? Warum bist du darauf bedacht gewesen, einen Menschen in diese Finsternis hinabzuführen, durch den du um alle, die seit Urzeiten gestorben waren, gebracht worden bist?< Die Auferweckung Adams und der übrigen Toten 1 Während aber der Hades so zum Satan sprach, streckte der König der Herrlichkeit seine rechte Hand aus und ergriff und erweckte Adam auf, den Ahnherrn. Danach wandte er sich auch zu den übrigen und sprach: »Her zu mir, alle, die ihr durch das Holz, von dem dieser gekostet hat, zu Tode gebracht worden seid! Denn siehe, ich will euch wiederum durch das Holz des Kreuzes auferstehen lassen.« Dazu jagte er alle hinaus, und Adam, der Ahnherr, der sich von herzlicher Freude erfüllt zeigte, sagte: > Ich danke deiner Majestät dafür, daß du mich aus dem Hades tief drunten heraufgeführt hast. < In gleicher Weise sagten auch alle die Propheten und die Heiligen: >Wir danken dir dafür, Christus, Heiland der Welt, daß du unser Leben aus der Verderbnis heraufgeführt hast. 2 Und als sie das gesagt hatten, segnete der Heiland den Adam an der Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes. Das Gleiche tat er auch an den Patriarchen und Propheten und Märtyrern und Vorvätern und nahm sie mit sich und zog eilends aus dem Hades empor. Während er aber dahinzog, sangen die heiligen Väter, die ihm folgten, und sagten: > Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Halleluja! Ihm sei die Ehre von Seiten aller Heiligen dargebracht!<

 

Empfang der Auferweckten im Paradies 25 Während er so in das Paradies zog, hielt er Adam, den Ahnherrn, an der Hand und übergab ihn sowie alle Gerechten dem Erzengel Michael. Als sie durch die Tür des Paradieses einzogen, da kamen ihnen zwei hochbetagte Männer entgegen, zu denen die heiligen Väter sagten: > Wer seid ihr, die ihr den Tod nicht gesehen habt und nicht in den Hades gekommen seid, sondern mit Leib und Seele im Paradies eure Wohnung habt?< Einer von ihnen gab zur Antwort und sagte: > Ich bin Henoch, der Gott wohlgefällig gewesen und von ihm hierher versetzt worden ist, und das da ist Elia, der Thesbiter. Wir sollen bis zum Abschluß des Äons am Leben bleiben, dann aber sollen wir von 156 Gott ausgesandt werden, um dem Antichrist Widerstand zu leisten und von ihm getötet zu werden und nach drei Tagen aufzuerstehen und in Wolken hingerissen zu werden zur Begegnung mit dem Herrn.< 26 Während sie das sagten, kam ein anderer, armselig aussehender Mensch, der auf seiner Schulter ein Kreuz trug. Zu dem sagten die heiligen Väter: > Wer bist du, der du das Aussehen eines Räubers hast, und was ist mit dir, daß du ein Kreuz auf den Schultern schleppst?< Er gab zur Antwort: > Ich bin, ganz wie ihr sagt, in der Welt ein Räuber und ein Dieb gewesen, und deswegen hatten mich die Juden gegriffen und mich zusammen mit unserem Herrn Jesus Christus dem Tod am Kreuz ausgeliefert. Als er jedoch am Kreuz hing, da bin ich, als ich die Zeichen sah, die geschahen, zum Glauben an ihn gekommen, und habe ihn gebeten und gesagt: >Herr, wenn du König sein wirst, so vergiß mich nicht!< Und sogleich sprach er zu mir: >Wahrlich, wahrlich, heute sage ich dir: du wirst mit mir zusammen im Paradiese sein.< So trug ich denn mein Kreuz und kam in das Paradies und traf dort den Erzengel Michael an und sagte zu ihm: >Unser Herr Jesus, der Gekreuzigte, hat mich hierher geschickt. Führe mich nun durch das Tor von Eden!< Und als das flammende Schwert das Zeichen des Kreuzes sah, öffnete es mir, und ich trat ein. Danach spricht zu mir der Erzengel: >Verweile ein wenig! Denn es kommt bald Adam, der Ahnherr des Menschengeschlechts, samt den Gerechten, damit auch sie hier hereinkommen.< Wie ich euch jetzt sah, bin ich euch entgegengekommen.< Als die Heiligen das hörten, riefen sie alle mit lauter Stimme: > Groß ist unser Herr und groß seine Macht!<

 

Abschluß Dies alles haben wir beiden Brüder gesehen und gehört. Wir sind denn auch von dem Erzengel Michael gesandt worden und haben den Auftrag erhalten, die Auferstehung des Herrn zu verkündigen, zuvor aber hinzugehen zum Jordan und uns der Taufe zu unterziehn. Dorthin sind wir auch gegangen und haben uns der Taufe unterzogen zusammen mit anderen Toten, die ebenfalls auferstanden waren. Danach sind wir auch nach Jerusalem gekommen und haben das Passah der Auferstehung gefeiert. Jetzt aber, wo wir hier nicht länger uns aufhalten können, ziehen wir davon. Und die Liebe Gottes, des Vaters, und die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Als sie das geschrieben und die Rollen gesichert hatten, gaben sie sie zur Hälfte den Hohenpriestern und zur Hälfte Joseph und Nikodemus. Sie selbst waren alsbald nicht mehr zu sehen - zur Ehre unseres Herrn Jesus Christus. Amen! Pilatus - ein Heiliger? Von der sonstigen Pilatusliteratur soll nur noch ein Bericht zitiert werden, der klärt, warum die koptische Kirche Pilatus als Heiligen verehrt. Pilatus wird enthauptet, weil er Jesus kreuzigen ließ. Ein Engel des Herrn aber trug sein Haupt in den Himmel.